Archiv für Dezember 2013

Deutsche Gedenkkultur

Gegen das Opfergedenken an Soldaten der NS-Vernichtungskriege sprach sich der „Zug der Erinnerung“ auf einer Demonstration in Remagen (Rheinland-Pfalz) aus. Dort huldigen NS-Wiedergänger seit mehreren Jahren einer „Schwarzen Madonna“ des Nazi-Skulpteurs Adolf Wamper, eines Profiteurs der antisemitischen und bellizistischen Kulturpropaganda des „Deutschen Reichs“. Die Skulptur soll an angebliche Verbrechen in einem alliierten Kriegsgefangenenlager auf den Rheinwiesen bei Remagen gemahnen und wurde mit Förderung der Stadt Remagen installiert. Öffentlich geförderte Arbeiten des NS-Propagandisten werden bis heute u.a. in Essen (18), Düren und Euskirchen ausgestellt. Das Land NRW ehrte Wamper mit einem Professorentitel.

Der NS-Skulpteur Adolf Wamper bei der Arbeit
Der NS-Skulpteur Adolf Wamper bei der Arbeit

Einen ausführlichen Artikel zu der Debatte um Adolf Wamper gibt es hier unter dem Punkt „Hintergrund“.

Gerichtsverfahren, Aufmärsche und neue Organisationen: Der Jahresrückblick aus Rheinland-Pfalz

Wir dokumentieren einen Beitrag vom Antifaschistischen Infobüro Rhein-Main, der für Netz-gegen-Nazis geschrieben wurde und dort am 16. Dezember 2013 erschienen ist.

In Rheinland-Pfalz wirkte der Prozess gegen das „Aktionsbüro Mittelrhein“ bestimmend für die rechte Szene. Hinzu kommen eine Vielzahl von Kameradschaftsgründungen, die zum Teil wie Kopien verbotener Gruppierungen wirken – der Rückblick auf 2013.

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Bericht zum neonazistischen „Gedenkmarsch“ in Remagen am 23. November 2013

Etwa 250 Neonazis reisten am Samstag, dem 23. November nach Remagen (Rheinland-Pfalz). Dort fand zum fünften Mal in Folge ein „Gedenkmarsch“ statt. Damit konnte die Teilnehmendenzahl im Vergleich zum letzten Jahr deutlich gesteigert werden. Mit der „Rheinwiesenlager-Kampagne“ und dem von Christian Malcoci angemeldeten Aufmarsch mit dem Motto „Eine Millionen Tote rufen zur Tat“ versuchen Neonazis alljährlich, die Geschichte umzudeuten und die Verbrechen des Nationalsozialismus zu relativieren.

Aufmarsch von Neonazis am 23.11.2013 in Remagen
Aufmarsch von Neonazis am 23.11.2013 in Remagen

Während 2012 fast ausschließlich Neonazis aus Nordrhein-Westfalen angereist waren, gab es in diesem Jahr auch Beteiligung aus Rheinland-Pfalz und Süddeutschland. Unter den Anwesenden befanden sich somit neben nordrhein-westfälischen Mitgliedern der Partei Die Rechte auch AnhängerInnen des Aktionsbüro Rhein-Neckar, des Nationalen Widerstand Zweibrücken, der Kameradschaft Pfalzsturm, Neonazis aus dem Westerwald sowie aus dem Spektrum des Freien Netz Süd.

Remagen – Auftritt der neuen neonazistischen Partei Der dritte Weg
Remagen – Auftritt der neuen neonazistischen Partei Der dritte Weg

Ebenfalls mit dabei war die erst kürzlich gegründete Partei Der dritte Weg um Klaus Armstroff, den Mann der ehemaligen Landesvorsitzenden der NPD RLP. Nachdem diese im Herbst „weggeputscht“ worden war, scheint sich der Kreis um die Armstroffs von der NPD abgewandt und die neue Partei gegründet zu haben. Die NPD war nur vereinzelt zu sehen: eine kleine Gruppe der NPD Siegen-Wittgenstein, Edda Schmidt, Beisitzerin im baden-württembergischen Landesvorstand, Ariane Meise, stellvertretende Landesvorsitzende der NPD NRW sowie Matthias Behrens aus Niedersachsen, der wie bereits in den vergangenen Jahren als Redner auftrat. Aus Hessen war Stefan Jagsch angereist, der kommissarische Vorsitzende der hessischen NPD.

Auch einige der früheren Organisatoren, die sich seit Sommer 2012 vor dem Landgericht Koblenz wegen Gründung bzw. Unterstützung einer kriminellen Vereinigung verantworten müssen, nahmen teil. Mit dabei auch einer ihrer Anwälte: der Düsseldorfer Björn Clemens.

Hauptsache es reimt sich. Neonazis aus dem Westerwald beim Aufmarsch am 23.11.2013 in Remagen.
Hauptsache es reimt sich. Neonazis aus dem Westerwald beim Aufmarsch am 23.11.2013 in Remagen.

Nach der Begrüßung durch Manfred Breidbach und dem Verlesen der Auflagen durch Nadine Braun (beide Die Rechte Düsseldorf/ Mettmann), zog der Aufmarsch zur Kapelle mit der Schwarzen Madonna. Dort hielten Manfred Breidbach, Edda Schmidt und Matthias Behrens Redebeiträge, gewohnt pathetisch zelebrierte Ralph Tegethoff im Anschluss seine „Heldenehrung“. Bei der zweiten Kundgebung folgten dann Grußworte: Manfred Breidbach verlas eines von Hans Jochen Voß (NPD Unna/Hamm), Ariane Meise das von Claus Cremer (NPD NRW). Weiterhin sprachen Paul Breuer (Köln) als einer der Angeklagten im Aktionsbüro Mittelrhein-Prozess und Karl Heinz Statzberger aus München für die Partei Der dritte Weg.

Quelle: Antifaschistisches Infobüro Rhein-Main