NS Glorifizierung und Heldengedenken

Seit dem die Nazis zum „Feld des Jammerns“ in Remagen ziehen, taucht eine Fahne auf, die bei Nazidemonstrationen oder rechten Trauermärschen sonst selten zu sehen ist:

Nazi-Fahne2 Preußische Fahne mit schwarzem Adler und dem Fahnenspruch:„Zur Ehre des Vaterlandes“

Dabei handelt es sich um die Fahne des Grenadier-Regiment „König Friedrich Wilhelm I.“ (2. Ostpreußisches) Nr. 3. Das Regiment bestand von 1685 bis zum 1. Oktober 1919, an dem es infolge des Versailler Vertrages aufgelöst wurde. Was steckt also hinter diesem Regiment und warum nutzen die Nazis für ihr „Heldengedenken“ gerade diese Fahne? Weiter

Von deutschem Imperialismus, Kolonialismus und Völkermord…
Das König Friedrich Wilhelm I. Regiment steht einmal für das monarchistische, antidemokratische deutsche Großmachtstreben und insbesondere für den deutschen Imperialismus, Kolonialismus und Völkermord.
Bis 1871 wurde das Regiment bei fast allen größeren Kriegen und Auseinandersetzungen Preußens eingesetzt. So wurde es 1794 von Preußen eingesetzt, um einen Aufstand im benachbarten Polen niederzuschlagen (Preußisch-Polnischer Krieg). Es kämpfte 1871 gegen Frankreich und wurde danach in die Kaiserliche Deutsche Armee eingegliedert.
Vor Beginn des Ersten Weltkrieges wurde es sowohl bei der Niederschlagung des Boxeraufstandes in China als auch beim Massaker an den Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika eingesetzt. Im Weltkrieg kämpfte das Regiment zuerst an der Ostfront, später dann an der Westfront in der Schlacht um die französische Stadt Verdun; nach dem erstenWeltkrieg wurde es aufgelöst.

… und NSDAP Propaganda

Diese Vergangenheit machte das Regiment zum geeigneten Gegenstand für die nationalsozialistische Mystifizierung. So führte die NSDAP und andern NS-Organisationen 1935 eine Gedenk- und Ehrenfeier zum 250. Gründungstag des Regiments durch. Obwohl die Militäreinheit seit 16 Jahren nicht mehr existierte, wurde eine aufwendig inszenierte Gedenkfeier ausgerichtet sowie ein Denkmal errichtet. Den Nazis war hier vor allem die Betonung der deutschen nationalen und militärischen Tradition wichtig, welche das Regiment verkörpern sollte. Des Weiteren vereinte das Regiment wichtige Eigenschaften der NS Diktatur und konnte so als konstruiertes Vorbild für die neu aufgerüstete Wehrmacht dienen:
Kadavergehorsam (von rund 3400 Soldaten überlebten weniger als 250 Mann die Auflösung des Regimentes 1919)
Militärischen Aggression (Preußisch-Polnischer-, Deutsch-Französischer Krieg 1871)
Völkermord (Niederschlagung Boxeraufstand, Völkermord an Herero und Nama)
Diesem Credo folgend ist auch der 1935 errichtete Gedenkstein zu interpretieren:
Auf ihm sind die Jahreszahlen 1685/1918 und die Worte: „Der Vergangenheit … der Zukunft“ zu lesen.

Gedenkstein
Deutsche Traditionslinien: Soldaten aus dem 17.Jahrhundert, dem Kaiserreich und ganz rechts die Wehrmacht. Quelle: Wikipedia

Geschichtsrevisionismus und NS Verherrlichung
An genau dieser NS-Glorifizierung des Friedrich Wilhelm Regimentes orientieren sich Ralf Tegethoff und die andern Neonazis in Remagen. Sie halluzinieren sich in die Tradition dieser Soldaten, die für Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Verwüstungen und enormes Leid in Europa und der Welt verantwortlich sind.
Jeden ersten Samstag nach dem Volkstrauertag kommen Rechte, Neonazis und Geschichtsrevisonist*innen nach Remagen um genau diese NS Verherrlichung zu betreiben. Die deutschen Soldaten im NS werden genau wie die deutschen Soldaten aus dem Kaiserreich als Helden inszeniert, ihre Untaten werden anerkennend verschwiegen. Selbst sehen sich die Neonazis in einer „Ahnenkette“ mit den Soldaten, wie denen des Friedrich Wilhelm Regimentes und ihrem bedingungslosen Gehorsam für den großdeutschen Wahn.

Diese Gruselveranstaltung darf nicht unwidersprochen stattfinden. NS verherlichung stoppen! Nazis in Remagen entgegentreten.