Archiv für November 2014

Kurzbericht zu den Protesten in Remagen

+++ ca.600 Menschen auf Antifa-Demo setzen klares Zeichen gegen NS Verherrlichung und deutsche Opfermythen +++ Polizei greift angemeldete Kundgebung von Remagen Nazifrei an +++ Zahl der Nazis sinkt auf 140 ++++

Demospitze

Ab 10 Uhr trafen sich heute mehrere Hundert Menschen zur antifaschistischen Demonstration „NS Verherrlichung stoppen“. Nach einer Zwischenkundgebung und einer Schweigeminute für die Opfer des deutschen Nationalsozialismus am jüdischen Friedhof, zog die Demonstration mit inzwischen etwa 600 Teilnehmer*innen in Richtung Fachhochschule weiter. Dort fand eine Kundgebung vom Bündnis Remagen Nazifrei statt.

Polizei greift Kundgebung auf FH-Gelände massiv an

Die Kundgebung Remagen Nazifrei fand ca.in 30 Meter Entfernung zur Naziaufmarschstrecke statt.
Mit der Ankunft der Nazidemo an der Nazifrei-Kundgebung, bezogen bayrische Polizeieinheiten Stellung. Trotz Kennzeichnungspflicht in RLP, verzichteten diese Polizeieinheiten auf eben diese. Während Anti-Antifa-Fotografen fleißig provozieren und Bilder schießen konnten, griffen die unkenntlichen Einheiten plötzlich und ohne Vorwarnung die antifaschistische Kundgebung an. Äußerst aggressiv stürmte die Polizei das Gelände, verletzte mit Faust- und Schlagstockschlägen sowie Pfefferspray mehrere Menschen und bedrängte die Veranstaltungsleitung die angemeldete Kundgebung zu beenden. Angeblicher Grund: Vereinzelt flog Obst sowie zwei Böller in Richtung der Nazis.

Keinerlei Verhältnismäßigkeit

Während 140 Nazis erst am jüdischen Friedhof und schließlich unbedingt an der Gegenkundgebung mit mehreren Hundert Teilnehmer*Innen an der FH vorbeigeführt werden mussten, um 50 Meter weiter ihre Kundgebung abhalten zu können und danach wieder umzudrehen, wurden zeitgleich Gegendemonstrant*innen auf einer ebenso angemeldeten Kundgebung angegangen und verletzt, die Kundgebung faktisch durch die Polizei abgebrochen.
Das hat nichts mehr mit Verhältnismäßigkeit und Versammlungsfreiheit zu tun. Das Verhalten der Polizei passt allerdings in die „Remagener Linie“. Den Nazis wird mit allen Mitteln ein weitgehend ungestörtes Marschieren ermöglicht, antifaschistischem Gegenprotest hingegen wird mit Repression und Gewalt begegnet.

Ein ausführliches Fazit der Kampagne NS Verherrlichung stoppen wird noch veröffentlicht. Unter den noch frischen Eindrücken, schauen wir mit gemischten Gefühlen auf den Tag zurück. Die Nazis konnten relativ ungestört durch Remagen ziehen, die Polizei ist mal wieder durchgedreht. Aber wir konnten auch eine starke Antifa-Demo mit 600 Menschen in Remagen durchziehen.

Ermittlungsausschuss (EA)

EA Nummer: 0157 752 32 742
Wenn ihr Festnahmen beobachtet oder selbst Probleme haben solltet, ruft den Ermittlungsausschuss (EA) an!
Besetzt ab 9:15 Uhr bis Ende der Aktionen!

Aktionskarte.

Hier die Aktionskarte für Samstag samt EA-Nummer:

Karte

Informationsstand zu den antifaschistischen Protesten in Remagen am 22. November

Antifaschistische Gegenproteste

10:00 Uhr Demonstration NS Verherrlichung stoppen – Nazis in Remagen entgegentreten!
Treffpunkt: Bahnhof Remagen Vorderseite → Richtung Schwarze Madonna und Rheinwiesen, endet an der Kundgebung von Remagen Nazifrei an der Fachhochschule Remagen (direkt an der Madonna und den ehemaligen Rheinwiesen)

13:00 Uhr Kundgebung Remagen Nazifrei!
an der Fachhochschule Remagen

Tag der Demokratie
11:00 Uhr Friedensgebet an der Friedenskappelle und anschließende Verhüllung der Kapelle. Die Teilnehmer*innen werden danach wieder zurück in die Stadt gehen.

Ab 12 Uhr Tag der Demokratie in der Innenstadt
+ Meile der Demokratie (Infostände verschiedener Organisationen, Parteien und Initiativen)

Am Tag der Naziaufmarsches sind mehre Gegenkundgebungen im fast gesamten Stadtgebiet angemeldet. Die Demonstration NS Verherrlichung stoppen – Nazis in Remagen entgegentreten soll vom Bahnhof in der Innenstadt in Richtung Schwarze Madonna führen und schließlich zur großen Gegenkundgebung vom Bündnis Remagen Nazifrei führen. Diese findet an der Fachhochschule Remagen statt und somit unmittelbar dort, wo die Nazis ihr „Heldengedenken“ veranstalten wollen.

Die Veranstaltungen unter dem Motto „Tag der Demokratie“, die von dem Remagener Bündnis für Frieden und Toleranz sowie den Stadtratsfraktionen getragen werden, befinden sich in der Innenstadt und damit weit entfernt von den Nazis.

Anreise
Aus verschiedenen Städten gibt es eine organisierte Anreise. Wir empfehlen euch sehr, diese Anreisen zu nutzen!

Busanreise
Mainz (Tickets: Haus Mainusch, Büro der DGB-Jugend oder dem Sekretariat des AstA Uni Mainz)
Trier (Tickets: SJ Die Falken Trier)

Zugtreffpunkte

Wuppertal: 07:30 Uhr City Arkarden (W-Elberfeld)
Dortmund: 7:30 am Nordausgang des HBF (vor Cinestar)
Neuwied: 08:45 Uhr Bahnhof
Köln: 09:15 Uhr Hauptbahnhof, Haupteingang
Koblenz: 09:15 Uhr Hauptbahnhof, Vorplatz
Bonn: 09:45 Uhr Hauptbahnhof, Gleis 1

Die Nazis

Die Mobilisierung der Nazis läuft dieses Jahr deutlich weniger öffentlichkeitswirksam ab,
bisher findet diese vor allem im Kreise der rheinland-pfälzischen NPD sowie der Nazipartei Der III. Weg ab.
Diese beiden Naziparteien veranstalteten vergangenes Wochenende jeweils eine eigene Kundgebungen an ehemaligen
Rheinwiesenlagern im südlichen Rheinland-Pfalz. Die NPD in Bretzenheim bei Mainz, der Dritte Weg bei Ludwigshafen.
Remagen soll dann die überregionale gemeinsame Abschlussveranstaltung zur sogenannten Rheinwiesenlager-Kampagne der Nazis sein.
Bisher relativ ruhig läuft die Mobilisierung von Die Rechte, welche in den letzten Jahren die Infrastruktur und den großen Teil der Teilnehmer*innen stellte.

Ticker: https://twitter.com/NS_stoppen
Hashtag: #RemagenNazifrei
Ermittlungsausschuss: 0157 752 32 742

Der braune Sumpf im nördlichen Rheinland-Pfalz

Am 22 November wird das zweite große Neonazievent innerhalb eines Monats im Raum Remagen stattfinden. Bisher verlief die Mobilisierung der Nazis für den Trauermarsch in Remagen schleppender als letztes Jahr. Vielmehr ist die Tendenz zu sehen, dass vermehrt auf internen Veranstaltungen geworben und mobilisiert wird.

Nazi-Fightnight
Schon am 25.10.2014 fand in Vettelschoß, keine 10km Luftlinie von Remagen ein überregionales Neonazi-Kampfsport-Event statt. Angereist waren mindestens 100 Neonazis aus mehreren Bundesländern, unter anderem aus Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und NRW.
Das antifaschistische Infobüro Rhein Main berichtete: http://www.infobuero.org/2014/10/vettelschoss-nazi-kampfsport-veranstaltung-am-25-oktober-2014/

Die Nazifightnight fand in der Vettelschoßer Funsport-Arena statt. Dort trainiert auch der örtliche Kampfsportverein Fight Club e.V. Der Verein, der sich mit dem Namenszusatz “Asgard” präsentiert wird, spielt mit nordischer Mythologie und Symbolik – beides sehr beliebt in der rechten Szene.
Neben “Asgard” wird ein sogenannten Thorshammer im Logo verwendet. Die Aufklärungsbroschüre Das Versteckspiel beschreibt die Bedeutung des Thorshammers für die extreme Rechte: „In der Bildsprache der extremen Rechten ist der Gott Thor die reinigende Kraft. Er soll mit seinem Thorshammer ‘das deutsche Volk vom verderbenden Ungeziefer’ reinigen.“ Asgard ist in der nordischen Mythologie der Sitz der Götter. Dort findet sich auch das von Nazis besonders verehrte ´Walhall´.

Für die Demonstration in Remagen brisant:
Einer der drei Trainer des Fight Club e.V. präsentiert sich bei Facebook mit Bezügen zur neonazistischen Szene. Er bekennt sich zu einschlägigen Szene-Marken sowie zur JN Ahrtal, einer rheinland-pfälzischen Jugendgruppe der NPD, in der sich Neonazis vom verbotenen Aktionsbüro Mittelrhein [ABM] tummeln. Die JN Ahrtal ist in der Region um Remagen und im Ahrtal aktiv. Ihre Mitglieder sind Mitorganisatoren des jährlichen Trauermarsches in Remagen. Einige Mitglieder der JN Ahrtal, die man durchaus als ABM- Nachfolgeorganisation bezeichnen könnte, trainieren Kampfsport und treten sehr aggressiv auf.
Dazu mehr von der Antifa Koblenz: http://antifakoblenz.noblogs.org/post/2014/09/18/neues-vom-aktionsbuero-mittelrhein-abm/

Auch mit dem Verbot des Aktionsbüro Mittelrheins ist der braune Sumpf im Norden von Rheinland-Pfalz und in der Region um Remagen noch längst nicht ausgetrocknet:
Deutschlandweite Nazi-Kampfsport-Events, organisiert von einem weltweit vernetzten Chapter Westwall der Hammerskins, die JN Ahrtal und die NPD Koblenz als Auffangbecken für das verbotene ABM sowie der Trauermarsch in Remagen.

… ist gibt also aus antifaschistischer Perspektive reichlich zu tun….
22. November in Remagen gegen die Nazis auf die Straße.