Das Heldengedenken – Rechte Gedenkpraxis unter der Lupe.

Jährlich seit 2005 kommen zahlreiche Rechte und Neonazis nach Remagen, um dort einen Gedenkmarsch samt „Totengedenken“ durchzuführen.
Dabei ist Remagen bundesweit kein Einzelfall. Zu den anderen betroffenen Städten gehören auch Bad Nenndorf und Wunsiedel.

NS Verherrlichung, damals wie heute
NS „Totenehrung“ 1938 und 20131

Die Neonazis pilgern an den Rand von Remagen, zur Schwarzen Madonna auf den Rheinwiesen, eine vom Nazikünster Adolf Wamper gestaltete Lehmfigur. Dort, auf dem Boden des ehemaligen amerikanischen Kriegsgefangegenlagers „Goldene Meile“, führen sie ihr Totengedenken durch.
Nach Nationalsozialistischem Vorbild, hält ein Parteifunktionär oder Kameradschaftsführer erst eine „Kampfrede“. Dabei wird schon mal von einer dreitausend jährigen Kampfgemeinschaft schwadroniert, dort werden die Faschistischen Wehrmachtssoldaten in einer “Ahnenkette” mit germanischen Stammeskriegern gesehen. Diese germanischen Krieger, die in der Varusschlacht im Jahr 9 nach Chr. gegen die Römer kämpften, sollen, wie die Wehrmacht gegen die Alliierten, den “germanischen Rhein” gegen die imperialistischen Römer verteidigt haben.

Danach übernimmt ein anderer Nazifunktionär die Ehrung. Dabei orientieren sich die Neonazis an dem „Heldengedenken“ zur NS-Zeit (ab 1934) und den Trauerfeiern für die „Blutzeugen des NS“. Anders als ihre Ideologischen bzw. historischen Vorbilder, rufen die Nazis ihre gefallenen Toten nicht namentlich auf, sondern in etwas abgewandelter Form:
„Ich rufe die gefallenen Soldaten der kaiserlichen Armee -
Ich rufe die gefallenen Soldaten der Freikorps – (2011, 2012, 2013 Ralph Tegethof)
Ich rufe die gefallenen Soldaten der Heeres –
Ich rufe die gefallenen Soldaten der Luftwaffe –
Ich rufe die gefallenen Soldaten der Marine -
Ich rufe die gefallenen Soldaten der Waffen-SS – ( 2009, 2010, 2012 )
Ich rufe die Gefallenen der Angehörigen der Eliteverbände – (2013, umformuliert aus Angst vor Repression)
Ich rufe die gefallenen Soldaten des Volkssturms“
Die anwesenden Neonazis verstehen sich als die „Stimme“ der Toten und antworten auf jedes Rufen mit „HIER!“Abschließend wird, wieder dem Nationalsozialistischen Vorbild gleichend, für die „Toten, Vertrieben, Opfer des Bombenterrors“ das Lied vom „guten Kameraden“ gesungen.
Nach weiteren Reden, wird zum Abschluss des rechten Trauerspuks das Deutschlandlied gesungen.

Somit stehen die rechten Gedenkmärsche mit Totengedenken nicht nur in der Tradition des NS „Heldengedenkens“, sondern sind eine exakte Kopie dessen.
Der Aufbau und der Ablauf sind gleich: Aufstellung in Formation, Senkung der Fahnen, eine „Kampfrede“, die Totenehrung an sich.
Unterschiede im Ritual besteht lediglich darin, dass die zu gedenkenden Toten nicht mehr namentlich aufgerufen werden, sondern stellvertretend Gruppen (Wehrmacht, Luftwaffe, SS etc.).

Dabei ist dieses Ritual, das bis auf die gerinfügige Abwandlung den NS Vorbildern gleicht, eine Mischung aus NS-Tradition, christlichem Gottesdienst und Versatzstücken germanischer Mythologie. Bei diesen Ritualen werden die Verstorbenen im Rahmen der Kollektivtrauer wiederbelebt und ihnen Unsterblichkeit prophezeit. In diesem Zusammenhang, kann der sogenannte Heldentod zu einem das Individuum übersteigenden Motiv werden. Das Motiv, sich für die rechte Ideologie unter Einsatz des eigenen Lebens zu opfern und somit selbst ein unsterblicher Teil der „Volksgemeinschaft“ zu werden, durfte im Nationalsozialismus und darf heute auf keinesfalls unterschätzt werden.

  1. Quelle: Screenshots: www.musikland-tirol.at/ und www.rheinwiesenlager.info [zurück]