Tanzdemo:
Opfermythos Remagen zerstören –
Rheinwiesen wieder positiv besetzen!

Am 18. November wollen sich – zum neunten Mal in Folge – Neonazis aus der gesamten Bundesrepublik in Remagen versammeln, um ihre besonders deutsche Variante der Geschichtsverklärung auf die Straße zu tragen. Wir, das Bündnis “NS Verherrlichung Stoppen!”, rufen alle Antifaschist*innen dazu auf, an diesem Tag um 10:30 Uhr nach Remagen zu kommen und den Nazis einen kreativen und vielfältigen Protest entgegenzusetzen!

Opfermythos Remagen zerstören
Wie jedes Jahr soll anhand der “Rheinwiesenlager” der deutsche Opfermythos am Leben erhalten werden, während der Nationalsozialismus, die Shoah und andere Verbrechen der Deutschen leise ausgeklammert, glorifiziert oder geleugnet werden. Die von den Alliierten betriebenen Lager für deutsche Kriegsgefangene sind einer der beliebtesten Mythen der Nazis. Ähnlich wie bei der Bombardierung Dresdens wird von einem “alliierten Kriegsverbrechen” gesprochen und dabei die Schuld Deutschlands an Krieg und Holocaust relativiert und geleugnet. Stattdessen gilt hier die US-Armee als treibende Kraft einer Verschwörung gegen die Deutschen, wobei die Inhaftierung der faschistischen Verbrecher*innen mit Lügen ausgeschmückt wird. So sprechen die Nazis bis heute von einer Million Toten, die in den Lagern systematisch ermordet worden seien – eine Zahl, die jeglicher Realität entbehrt. In Wirklichkeit sind in allen Lagern aufgrund der kriegsbedingten Gesamtsituation zwischen 5.000 und 10.000 Menschen umgekommen.

Gegen Naziaufmarsch…
Bis heute ist der Aufmarsch in Remagen ein wichtiges Datum für die rechtsradikale Avantgarde: Alle zentralen Figuren des Aufmarsches sind seit Jahren im militanten Bereich aktiv und bestens in rechtsterroristischen Kreisen vernetzt.* Organisiert wird der Aufmarsch traditionell vom “Aktionsbüro (AB) Mittelrhein”, welches im Jahr 2012 verboten wurde. Der Prozess wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung gegen 26 Mitglieder und Unterstützer des AB Mittelrhein ist nach etwa 5 Jahren mit wöchentlichen Verhandlungen dieses Jahr im Mai fatalerweise eingestellt worden. Grund für das Platzen des Prozesses war, dass der Vorsitzende Richter dieses Jahr in Rente ging. Verbot und Prozess hatten die neonazistische Struktur schon kaum gelähmt oder gar gestoppt. Vielmehr traten die Akteure seit dem Verbot ungehindert unter anderen Labeln, wie dem der NPD-Jugend “JN-Ahrtal” oder der Partei “Die Rechte”, auf und sind immer noch bundesweit vernetzt und relevant. So hat beispielsweise Christian Häger, ehemaliger Chef des AB Mittelrhein und Kreisvorsitzender der NPD, den „Rudolf-Heß-Gedenkmarsch” am 19. August in Berlin angemeldet, wozu viele ehemalige Mitglieder des AB Mittelrhein ihn begleitet haben. Auch hier zeigt sich wieder deutlich die Verherrlichung des Nationalsozialismus.

…und deutschen Opfermythos!
Es wird wieder Winter in Kaltland. Und dieses Jahr könnten die Zeichen kaum schlechter stehen, denn im September ist es der AfD – dem parlamentarischen Arm der extremen Rechten – gelungen, mit 13% der Wähler*innenstimmen in den Bundestag einzuziehen. Mitnichten ist die AfD die Partei der Abgehängten und Besorgten, als die sie sich gibt und zu der sie auch gerne von anderen verklärt wird. Wenn Spitzenkandidaten der AfD sich bemühen, die Wehrmacht von ihren Verbrechen freizusprechen, die Soldaten NS-Deutschlands zu tapferen Helden zu stilisieren oder einen Wechsel in der “dämlichen Bewältigungspolitik” einfordern – spätestens dann sollte die ideologische Nähe zu den bekennenden Nationalsozialist*innen und Rechtsterrorist*innen, die in Remagen auflaufen, mehr als deutlich werden. Das Ziel ist hier nichts weniger als die Umdeutung der Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Die Einzigartigkeit und Brutalität der deutschen Verbrechen soll relativiert werden und die AfD arbeitet daran, eine “tausendjährige Geschichte Deutschlands” zu konstruieren, während der Staat mit Schüler*innen diskutiert, ob es überhaupt sinnvoll sei, etwas gegen Nazis zu unternehmen. “Endlich sind wir wieder wer”, die Einstellung, die mit der Wiedervereinigung Deutschlands begann, zeitweilig Pogrome hervorrief, ist heute wieder aktuell. Sie wollen wieder stolz sein dürfen auf Volk und Vaterland, die Nazis in Remagen haben dabei wichtige Vorarbeit geleistet, nun ist ihre Position wieder mehrheitsfähig.

Ob parlamentarische Brandstifter*innen oder Neonazis mit Brandsatz – sie alle eint der Hang dazu, die Geschichte nach ihrer Ideologie umzuschreiben und Deutschland zum eigentlichen Opfer des 20. Jahrhunderts zu stilisieren. Eine Perspektive, die auch in Teilen der selbsternannten gesellschaftlichen Mitte vertreten wird. Diese gibt indes ihr Bestes, die Position der offen Rechten zu stärken. Während in den Parlamenten sämtliche Parteien, von der Union bis zur Linken, der AfD – ob gewollt oder ungewollt – auf den Leim gehen und sich dank stetiger Stichwortvorgaben der ‘Blauen’ auf den Heimatbegriff zurückbesinnen und von Obergrenzen reden, wird in der breiten Gesellschaft und in den Medien eines der beliebtesten deutschen Feindbilder in den Fokus gerückt: die radikale Linke. Nicht erst seit den G20-Protesten in Hamburg wissen wir, dass deutsche Autos offenbar wichtiger sind als nichtdeutsche Menschenleben und dass Zwillen und Rohre für einen größeren medialen Aufschrei sorgen können, als Kriegswaffenarsenale und Todeslisten – die beispielsweise vor einigen Wochen bei einer rechten Terrorzelle, zu der wohlgemerkt auch ein Polizeibeamter gehört, in Mecklenburg Vorpommern gefunden wurden. Auch eine der tragenden Figuren des Naziaufmarsches in Remagen hat einen notorischen Hang zum Umgang und Handel mit Waffen: Ralph Tegethoff; seit vielen Jahren zentrale Schaltstelle und leitender Kader militant-neonazistischer Aktivitäten im Gebiet Mittelrhein und Umgebung sowie paramilitärischer Ausbilder des AB Mittelrhein.*

Rheinwiesen wieder positiv besetzen!
Während die Faschist*innen um ihre vermeintlichen Opfer trauern, feiern wir dieses Jahr – in einer etwas anderen Form – das mit der Besetzung der Rheinwiesen verbundene Ende ihres Vernichtungsfeldzugs und machen ihren Trauermarsch somit zur Farce.

Denn gerade in Zeiten, in denen deutsch-autoritären Sehnsüchten wieder nachgekommen wird und der rechte Rand die Parlamente zurückerobert, ist es umso notwendiger zu zeigen, dass dem geschichtsverklärenden Gedankengut keinerlei Bühne geboten werden darf!

In den letzten Jahren ist es uns stets gelungen, den Protest gegen den Naziaufmarsch laut nach außen zu tragen. Das soll auch dieses Jahr so bleiben! Also kommt am 18. November mit uns in Remagen auf die Straße, um dem revisionistischen Elend seine Grenzen aufzuzeigen!

* Genauere Infos zu den führenden Kadern und ihren Netzwerken wurden bereits in unseren Aufrufen der letzten Jahre und verschiedenen weiteren Texten dargelegt, welche online unter www.remagen.blogsport.de/hintergrund zu finden sind

Aufrufende Gruppen:

  • about:fem
  • Adelante – Antifaschistische Linke Bonn
  • Anarchistisches Kollektiv Köln (AKK)
  • ANK – antifascist network Koblenz
  • Antifa Bonn / Rhein Sieg
  • Antifa Euskirchen/Eifel
  • Antifa Koblenz
  • Antifa Rheinpfalz
  • Antifaschistische Gruppe [CGN]
  • Antifaschistische Organisation Bonn – AO [BN]
  • Antikapitalistische Linke RLP
  • ATTAC Ahrweiler
  • black mosquito – anarchistischer Mailorder
  • campus:grün Köln
  • Die LINKE Ahrweiler
  • Die LINKE Kreisverband Neuwied
  • Die LINKE Regionalverband Rheinland
  • Diskursiv Aachen
  • Industrial Workers of the World – IWW Mittelrhein
  • Infoladen:kollektiv, Wuppertal
  • JAB – Junge Antifa Bonn
  • Kritische Intervention Wiesbaden
  • Left Wing Rheingau
  • LiLa [F]
  • linksjugend [’solid] Bonn
  • linksjugend [’solid] Mainz
  • Mainz bleibt Stabil
  • Marie Salm, 1.Vorsitzende Piratenpartei Rheinland-Pfalz
  • Ökumenisches Netz Rhein-Mosel-Saar
  • Refugees Welcome Bonn e.V.
  • Rock gegen Rechts Düsseldorf e.V.
  • Piratenpartei Kreisverband Koblenz
  • Piratenpartei Landesverband Rheinland-Pfalz
  • Piratenpartei Rhein-Sieg
  • Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten – VVN-BdA KV Düsseldorf