„How to Demo in Remagen!“

Die Antifa Remagen hat vorletztes Jahr einen hilfreichen Text verfasst, wie die Polizei in ihrer Stadt erfahrungsgenmäß mit antifaschistischem Engagement umgeht und welche Tipps sich daraus ableiten lassen, den wir euch empfehlen ernst zu nehmen und hier dokumentieren möchten:

„How to Demo in Remagen

Klar, es gibt riesige Unterschiede zwischen einer Demo und einer Demo. Oft sagen wir uns, dass bei der Demo sowieso nix passiert und haben auch noch recht damit. Dennoch sollten einige Grundregeln auch auf einer Demonstration in Remagen beherzigt werden, weil auch eine solche in der Vergangenheit Objekt polizeilicher Aktionen geworden ist. Im folgenden Text haben wir für euch einige Tipps und Erfahrungsberichte gesammelt (mehr…)

Anfahrt Remagen 2018

Aus einigen Städten und Regionen werden gemeinsame Anfahrten organisiert. Bitte benutzt die gemeinsame organisierte An- und Abreise. Es geht um eure Sicherheit. Die Zugfahrten sind so geplant, dass alle etwa gleichzeitig und rechtzeitig in Remagen ankommen.

Organisierte Treffpunkte:

Aachen: 8:00 Uhr, Hauptbahnhof vor dem Eingang
Bonn: 9:45 Uhr, HBF, Gleis 2
Koblenz: 9:00 Uhr, HBF vor dem Haupteingang
Köln: 9:15 Uhr, HBF vor dem Haupteingang (domseitig)
Mainz: 7:40 Uhr, HBF vor dem Haupteingang

We‘re not gonna take it anymore!

Am 17. November wollen sich – zum zehnten Mal in Folge – Nazis aus der gesamten Bundesrepublik in Remagen versammeln, um ihre besonders deutsche Variante der Geschichtsverklärung auf die Straße zu tragen. Das Bündnis „NS-Verherrlichung Stoppen!“ ruft dazu auf, nach Remagen zu kommen und den Faschist*innen einen kreativen und vielfältigen Protest entgegenzusetzen.

Wie jedes Jahr soll anhand der „Rheinwiesenlager“ der deutsche Opfermythos am Leben gehalten werden, während man Nationalsozialismus, Shoah und andere Verbrechen der Deutschen ausklammert, glorifiziert oder leugnet. Ähnlich wie bei der Bombardierung Dresdens wird von einem „Alliierten Kriegsverbrechen“ gesprochen und dabei die Schuld Deutschlands an Krieg und Holocaust relativiert.

Bis heute ist der Aufmarsch in Remagen ein wichtiges Datum für die Speerspitze der Neonaziszene in Deutschland: Alle zentralen Figuren des Aufmarsches sind seit Jahren militant aktiv und in rechtsterroristischen Kreisen bestens vernetzt. Gerade nach dem Scheitern des Prozesses gegen die Organisatoren des 2012 verbotenen „Aktionsbüro (AB) Mittelrhein“, ist die Szene wieder gestärkt.

Gleichzeitig bemüht sich die AfD, die Wehrmacht von ihren Verbrechen freizusprechen, die Soldaten des NS-Deutschlands zu Helden zu stilisieren und einen Wechsel in der „dämlichen Bewältigungspolitik“ einzufordern, womit sie die geschichtsrevisionistische Position der aufmarschierenden Nazis wieder mehrheitsfähig macht.

Aber während die Faschist*innen um ihre vermeintlichen Opfer trauern, feiern wir dieses Jahr das mit der Besetzung der Rheinwiesen verbundene Ende ihres Vernichtungsfeldzugs und machen mit lautstarker Musik ihr Trauerritual zur Farce. Mit einer vorangehenden Demonstration wollen wir unsere politische, antifaschistische Botschaft nach außen tragen.

Denn gerade jetzt, wo den deutsch-autoritäten Sehnsüchten wieder nachgekommen wird und der rechte Rand die Parlamente zurückerobert, ist es umso notwendiger zu zeigen, dass dem geschichtsverklärenden Gedankengut keine Bühne geboten werden darf!

Kommt mit uns am 17. November auf die Straße, um den Neonazis ihre Grenzen aufzuzeigen!

17. Nov 2018 | 10:30 Uhr | Bf Remagen
Antifaschistische Demonstration & Aktionen

25.11: Kein deutscher Opfermythos an den Rheinwiesen

Wie schon in den vorherigen Jahren, mobilisiert die NPD neben dem Aufmarsch in Remagen zudem noch für nächsten Samstag zu einer Kundgebung am ehemaligen „Rheinwiesenlager“ in Bretzenheim im südlichen Rheinland-Pfalz.

Auch hier versuchen die Neonazis die nationalsozialistischen Verbrechen vergessen zu machen – indem sie die Gefangenensammelstellen der Alliierten zu den Konzentrationslagern gleichwertigen Vernichtungslagern umdeuten. Sie fabulieren von der Zahl von einer Million Toten in den Rheinwiesenlagern und versuchen so, einen Genozid zu konstruieren, den sie als Racheakt der Alliierten sehen um die Verbrechen der Deutschen damit aufzuwiegen. Wenn man sich die Sterberate im gesamten deutschen Gebiet zu der Zeit ansieht und Zahlen von seriösen Historikern zu den Rheinwiesenlagern damit vergleicht, sieht man schnell, dass in den Lagern keine höheren Sterberaten vorlagen, als im Rest von Deutschland.

Mit einem Gedenken an diese vermeintlich 1 Million Tote werden nationalsozialistische Täter als Opfer verklärt und natlos an den Geschichtsrevisionismus um den Opfermythos Remagen und das dort abgehaltene „Heldengedenken“ an faschistische Verbrecher angeknüpft.

Daher rufen Antifaschist*innen aus dem Raum Bad Kreuznach zu einer Gegenkundgebung in direkter Nähe zum Naziaufmarsch auf. Wir unterstützen diesen Aufruf und fordern euch alle auf, am Samstag nach Bretzenheim zu kommen!

Samstag | 25.11 | 13:00 Uhr | 55559 Bretzenheim (bei Bad Kreuznach)

Alle Infos gibt es auf Facebook:
https://www.facebook.com/events/164500884293707/


Deutsche Täter sind keine Opfer!
Gegen jeden Geschichtsrevisionismus!

Bündnisrede vom 18. November 2017

Wir dokumentieren unseren Redebeitrag von der Auftaktundgebung der Tanzdemo am 18. November 2017:

Liebe Genossinnen und Genossen,

ich spreche heute im Namen des Bündnis „NS-Verherrlichung Stoppen zu euch“.
Es ist 2017, zum neunten Mal läuft die Speerspitze der neonazistischen Szene Deutschlands durch Remagen. Zum neunten Mal verklären sie dabei wer Opfer und wer Täter waren. Zum neunten Mal kriegen sie Gelegenheit, ihre nationalsozialistische Ideologie zu verherrlichen.

Warum Remagen?
Der Ort den sie dafür wählen, ist uns allen mittlerweile ein Begriff. Remagen. Hier entstand nach dem Kriegsende 1945 eines der insgesamt 20 Rheinwiesenlager, eine Gefangenensammelstelle für Kriegsgefangene der Waffen-SS, der Wehrmacht und anderer Nazi-Organisationen und -Institutionen. Es entstand eine provisorische Gefangenensammelstelle für Täter der nationalsozialistischen Diktatur. Dies waren Soldaten, die in den 12 vorangehenden Jahren einen Vernichtungsfeldzug durch ganz Europa ermöglicht und geführt hatten und außerdem den Grundstein legten für die industrielle Ermordung von Jüd*innen, Sinti und Roma, Homosexuellen, Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen, politisch Oppositionellen, Wohnungslosen und Arbeitslosen – all den Menschen, die in der nationalsozialistischen Lehre einer reinen Volksgemeinschaft und Rasse keinen Platz fanden.

Durch das schnelle Vorrücken der Alliierten im Jahre 1945 kam es zu unzähligen Kriegsgefangenen, insgesamt eine Million davon wurden in den Sammelstellen an den Rheinwiesen untergebracht. Rund 170.000 Menschen davon in Remagen, wovon aufgrund der kriegsbedingten Allgemeinsituation – es herrschte Hunger, viele Menschen waren verletzt, viele junge Menschen im Krieg umgekommen – rund 1200 Menschen starben. Wenn auch jeder, durch einen Krieg und seine Folgen umgekommene Mensch, ein Mensch zu viel ist, der sein Leben verliert, so darf man bei diesen Zahlen nicht vergessen, welches Unheil die Soldaten der Wehrmacht, der SS und sonstige NS-Schergen in den Jahren zuvor angerichtet hatten. (mehr…)